Diversity-Week 2020: Eine starke Gemeinschaft, auch in schweren Zeiten

„Wir sind uns der Verantwortung für Menschen, die bei uns arbeiten, sehr bewusst“

von am Mittwoch, 30 September 2020
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Eine Genossenschaft zu sein, das klingt erst einmal etwas bieder. Eine Vokabel, die fast ein wenig wie aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Ein vermeintliches Auslaufmodell, von gestern.

Der Kerngedanke dahinter ist jedoch zeitgemäßer und moderner denn je: Eine Community, eine starke Gemeinschaft bilden. Sich gegenseitig unterstützen und sich nicht fallenlassen. Solche Stärken sind am ehesten dann zu erkennen, wenn es mal nicht so gut läuft und man in eine persönliche Krise schlittert. Unsere Kollegin Lisa Rösler hat eine solche erlebt und war froh, Teil eines Unternehmens zu sein, in dem das genossenschaftliche Motiv gleichermaßen in den eigenen Mitarbeiterreihen gelebt wird. Denn das grüne Quadrat hat sie auch in schweren Stunden nicht im Stich gelassen. Ein Gespräch mit Lisa und ihren Führungskräften Goetz Bachert und Ralf Ascherl.

Lisa, wann hast Du angefangen, bei DATEV zu arbeiten und in welchem Bereich warst Du zunächst tätig?

Lisa: Ich habe 2008 im Digital & Print Solution-Center (DPSC) der DATEV als gelernte Buchbinderin begonnen. Meine Aufgabe umfasste die Weiterverarbeitung von gedruckten Unterlagen. Es handelte sich dabei unter anderem um Klebebindungen, Spiralbindungen, Heftungen, Zusammenstellen von Ordnern, Visitenkarten schneiden und falzen. Dazu musste ich verschiedene Maschinen bedienen, dies geschah ausschließlich im Stehen. Für die Umsetzung des Tagesplans war ich eigenverantwortlich zuständig.

Was ist dann passiert?

Lisa: 2004 hatte ich einen Snowboardunfall und ich musste operiert werden. 2014 wurde das Knie erneut operiert, infolgedessen war eine weitere Operation 2015 erforderlich. Dabei wurde mein Knie mit Keimen infiziert. Dies zog in Folge der nächsten zwei Jahre über 30 weitere Operationen nach sich. Es war mir somit nicht mehr möglich, meine bisherige Tätigkeit weiter auszuüben, weil ich nicht mehr über einen längeren Zeitraum stehen konnte. Ich suchte deshalb das Gespräch mit meiner Führungskraft, um meinen weiteren Einsatz in der Abteilung abzustimmen. Kurz vor Ende meines OP-Marathons fand das erste Gespräch mit dem Betrieblichen Eingliederungsmanagement statt. Dabei wurde mir eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement im Berufsförderungswerk (BfW) mit anschließender Wiedereinstellungsgarantie angeboten. Somit habe ich nach dem Ende der Operationen mit der Ausbildung im BfW begonnen und sie mit einem dreimonatigen Praktikum erfolgreich abgeschlossen. Im Vorfeld des Praktikums fanden Gespräche mit der DATEV darüber statt, wo ein Einsatz für mich sinnvoll wäre.

Du bist im gleichen Bereich geblieben, aber in einem neuen Team gelandet. Wie kam der Kontakt zustande?

Lisa: 2015 wurden mit der Einführung eines Neukunden, verschiedene neue Maschinen zum Einsatz gebracht. Darunter auch ein Sammelhefter, für dessen Bedienung ich verantwortlich war. Durch die Zusammenarbeit mit einer anderen Abteilung bekam ich Kontakt mit dem dortigen Teamleiter. Nachdem wir gemeinsam viele Probleme lösen mussten, bekam ich Einblick in die Arbeit dieser Abteilung. Herr Bachert, der Teamleiter, machte den Vorschlag, das Praktikum in seinem Team zu absolvieren. Da ich die Arbeit dort sehr interessant fand, habe ich zugestimmt. Der Schwerpunkt liegt in der Betreuung der Kunden des Digital & Print Solution Centers. Wir kümmern uns um die Kundenwünsche im Drittkundengeschäft und bilden die Schnittstelle zwischen unseren Kunden und unseren Kollegen in der Produktion. Als Drittkundengeschäft bezeichnen wir einen Geschäftsbereich außerhalb unserer Kernmärkte der Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte. DATEV bietet Kunden aus Industrie, Handel, Banken, Versicherungen und Behörden hybride Lösungen für den Versand von Dokumenten. Schon während des Praktikums wurde ich im Team sehr gut aufgenommen und konnte einen tiefen Einblick in die Arbeit gewinnen. Meine neue Tätigkeit macht mir sehr viel Spaß.

 

Aus Sicht einer Führungskraft: War es dann leicht für euch, Lisa bei euch zu integrieren?

Goetz Bachert: Ich habe die Arbeit von Lisa bereits durch die Zusammenarbeit bei dieser Kundenübernahme kennen und schätzen gelernt. Nachdem sie ihre Zusatzausbildung absolviert hat, war auch klar, dass man ihr eine entsprechend qualifizierte Tätigkeit anbieten muss, die wenig mit den körperlichen Anforderungen in der Produktion zu tun hat, aber produktionsverwandt ist. Sprich: Lisa sollte von Anfang an ihre Fachkenntnisse und ihre bisherige Erfahrung bestmöglich einsetzen. Das dreimonatige Praktikum im Rahmen ihrer Ausbildung war die perfekte Gelegenheit für beide Seiten auszuprobieren, ob das passen könnte. Da zu diesem Zeitpunkt in meinem Team eine Stelle offen war, hat eines zum anderen gepasst. Ein Glücksfall für beide Seiten.

Ralf Ascherl: Bei uns im Bereich arbeiten rund 500 Leute, ein verhältnismäßig großes Segment innerhalb der DATEV. Wir haben schon den Anspruch an uns selbst, dass wir für jemanden, der bei uns erfolgreich gearbeitet hat, auch innerhalb unseres Bereichs eine Lösung finden. Wir sind uns dieser Verantwortung sehr bewusst.

Was könnt ihr aus eurer Sicht anderen Führungskräften mit auf den Weg geben?

Goetz Bachert: Lisa konnte in ihrem Praktikum deutlich zeigen, was in ihr steckt. Es war in diesem Fall für beide Seiten wichtig, unvoreingenommen an die Sache heranzugehen. Daraus hat sich die Chance ergeben, sich darauf einzulassen und das hat sich für alle Beteiligten ausgezahlt. Unser Mut wurde belohnt – diese Erfahrung haben wir mitgenommen. Gerade, wenn es um Themen wie längere Abwesenheit geht, sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass sich Menschen in dieser Zeit auch weiterentwickeln können. Ein genauer Blick lohnt sich also.

Ralf Ascherl: Seien wir realistisch: Hat jemand eine längere Abwesenheit hinter sich, dann klebt an demjenigen auch leicht ein gewisses Etikett. Eine Wiedereingliederung wird häufig als belastend oder mühselig empfunden. Wenn man jedoch mit offenem Blick auf Menschen zugeht, dann findet man immer wieder einen Schatz, den man sonst womöglich nicht so entdeckt hätte. Deshalb: Schaut den Menschen genau an, sprecht miteinander und lotet gemeinsam Möglichkeiten aus. Man muss immer offen sein, denn jeder Mensch verdient eine weitere Chance.

Ist diese Haltung typisch Genossenschaft und typisch DATEV?

Goetz Bachert: Ich glaube, die DATEV ist einmalig als Arbeitgeber in der Hinsicht, dass Menschen nach einem solchen Rückschlag die Chance erhalten, sich weiter zu qualifizieren, um einen Neuanfang zu machen. Es gibt wahrscheinlich wenige Arbeitgeber, die dazu bereit sind. Natürlich ist es in einem so großen Bereich wie dem DPSC mit knapp 400 Mitarbeitern schwer, jeden einzelnen zu kennen, mit dem man noch keine fachlichen Berührungspunkte hatte. Die gemeinsame Arbeit war somit für beide Seiten ein Glücksfall.

Hier schreibt für euch:

Michael Öchsler

ist seit September 2019 mit an Bord bei DATEV und kümmert sich mit um die Kommunikation von HR-Themen wie Personal und Karriere. Der Kommunikationswissenschaftler hat zuvor bereits berufliche Erfahrungen im Bereich Unternehmenskommunikation und Marketing gesammelt. Seine Freizeit verbringt er am liebsten in den Alpen, wo er im Sommer Hügel erklimmt, um sie im Winter auf zwei Brettern hinab zu brettern (zwischendurch ist er auch mal hier).

Sinah Titzmann

ist 2019 als Social Media Managerin bei DATEV eingestiegen.