Inklusion bei DATEV

von am Freitag, 11 Dezember 2015
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„Lasse nicht zu, dass das, was du nicht kannst, das beeinträchtigt, was du kannst.“
(John Wooden)

Heike Kraus mit Engagement für Inklusion bei DATEV

Als mich Heike Kraus anrief, um mich zu fragen, ob ich Interesse habe, einen Blog Beitrag über Inklusion zu schreiben, merkte ich sofort: Die Frau am anderen Ende der Leitung brennt für ihre Aufgabe! Wenige Wochen später trafen wir uns dann zum Interview und da verstand ich plötzlich noch viel mehr, warum Inklusion für Heike Kraus eine Herzensangelegenheit ist.

„Kein Mensch darf sagen, solches trifft mich nie.“

Heike Kraus berichtete mir, dass inkl1Sie selbst nur noch 20 Prozent Sehfähigkeit auf dem rechten Auge hat und auch ihre rechte Hand sehr eingeschränkt ist. Erste Anzeichen spürte Frau Kraus vor etwa 15 Jahren, als sie von heute auf morgen auf dem rechten Auge nicht mehr sehen konnte. Später stellte sich heraus, dass ihre Nervenbahnen unterbrochen sind – eine enorme Veränderung im Leben der ehemaligen Softwareentwicklerin! Tabletten helfen ihr nur temporär und gerade heißes Wetter ist problematisch. Sie gab ihren Posten als Teamleiterin ab und reduzierte ihre wöchentliche Arbeitszeit. Es mussten andere, machbare Tätigkeiten gefunden werden.

„Die entscheidenden Veränderer der Welt sind immer gegen den Strom geschwommen.“

Doch Frau Kraus ist sich ihrer Stärken bewusst: „Organisieren, Menschen zusammenbringen und für eine gemeinsame Sache begeistern, sind wohl meine besten Fähigkeiten“, meint sie nachdenklich.  Mittlerweile ist sie sogar sicher, dass DATEV von dem Netzwerk, das sie sich durch ihre eigene Krankheit aufgebaut hat, profitieren kann: „Es ist immer ein wechselseitiges Geben und Nehmen und erfordert von beiden Seiten viel Offenheit“, sagt Frau Kraus mit einem Lächeln auf den Lippen und fügt hinzu: „Ich habe meinen Arbeitgeber sofort informiert, als ich von der Krankheit wusste. Nur so kann eine gute Lösung für alle Seiten gefunden werden.“ Generell erhielt Frau Kraus hauptsächlich überraschend positives Feedback und bekam viel Hilfe angeboten. Sie weiß natürlich auch, dass bei manchen Führungskräften noch Berührungsängste herrschen.

„Die schönste Harmonie entsteht durch Zusammenbringen der Gegensätze!“

Aber Frau Kraus wäre nicht inoffizielle Inklusionsbeauftragte im Service der DATEV, wenn Sie dafür keinen Lösungsansatz hätte! Generell gehört es zu ihrem Job, Berührungspunkte zwischen gesunden und behinderten Menschen zu schaffen. Sie selbst bezeichnet sich in unserem Interview als „Brückenbauerin“ zwischen den beiden Welten, die sich oft noch viel zu fremd sind.

Wie wichtig „Brücken bauen“ ist, weiß auch Caterina von Ende. Sie teilt mit Frau Kraus das Schicksal der multiplen Sklerose und spürt die Auswirkungen auf ihr Arbeitsleben täglich. Mit ihrem Chef hat sie deshalb ein – wie sie es nennt – „Gentlemen’s Agreement“ geschlossen, was beinhaltet, dass sie erst später mit dem Arbeiten beginnt, da sie morgens Zeit braucht, um sich zu sammeln. Außerdem ermöglicht er ihr, nach zwölf Jahren in der Lohn-Hotline, andere Aufgaben, wie das Postfach zu übernehmen, um keinen zusätzlichen Zeitdruck zu schaffen. Das nimmt ihr viel Stress, denn Stress ist für Caterina von Ende und ihre Krankheit Gift. Es kann dann zu Gangataxien kommen, bei denen sie beim Gehen wankt oder torkelt.

inkl2Deshalb ist es eine große Entlastung, dass die Inklusion in ihrem Lohn-Team absolut gut funktioniert. Sie fühlt sich als vollwertige Mitarbeiterin und das ist ihr sehr wichtig: „Ich bin ja nicht hirnkrank“ sagt Frau von Ende belustigt und fügt ernst hinzu: „meine Leistungsfähigkeit im Kopf ist nach wie vor vorhanden, ich habe „hardcore“ BWL studiert (hardcore, weil berufsbegleitend) und trotzdem gibt es einen Knick in der Karriere.“

Sie erklärt mir, dass Sie auf Grund der geringeren Belastbarkeit kaum Chancen sieht, einen höherwertigeren Job zu erlangen.

Und trotzdem bereut Caterina von Ende es nicht, ihrem Vorgesetzten sehr früh von der Krankheit berichtet zu haben. „Es war reiner Selbstschutz so früh offen die Karten auf den Tisch zu legen. Ich wusste, ich werde über kurz oder lang Verständnis für meine veränderte Leistungsfähigkeit von meiner Führungskraft benötigen – und das habe ich auch erhalten.“, erklärt Sie mir ihren mutigen Schritt.

„Wir können nicht alles tun, aber wir müssen tun, was wir können.“

Bild: Aktion Mensch

Bild: Aktion Mensch

Um noch mehr Führungskräfte zu einem solch kooperativen Umgang zu bewegen, engagiert sich Heike Kraus im Arbeitskreis Call Center Verband (kurz CCV). Hier geben sich Unternehmen wie z.B. die Telekom oder die Nürnberger Versicherungen gegenseitig Tipps zu den Möglichkeiten der Inklusion im Bereich Kundenservice.

Ihre neuste Idee ist ein sogenanntes World Café, in dem sie sich speziell den oben genannten Berührungsängsten von Führungskräften widmet. Hier sollen Teamleiter und Betroffene regelmäßig Zeit und Raum haben,  sich untereinander auszutauschen.

Natürlich ist auch erwähnenswert, dass Frau Kraus maßgeblich mitverantwortlich ist, dass bereits 57 Azubis ihre Ausbildung als Kauffrau/-mann für Dialogmarketing abschließen konnten und weitere 38 die Ausbildung gerade noch durchlaufen können. Sie hat nämlich mit dem Verband den Ausbildungsberuf „Kaufleute im Dialogmarketing“ neu geschaffen.  Die Führungskräfte waren sofort begeistert, den Ausbildungsberuf auch bei DATEV anzubieten, weil er perfekt zu uns passt.

Abschließend bedanke ich mich bei Heike Kraus und Caterina von Ende für Ihre Offenheit und drücke Heike Kraus die Daumen, dass ihre Veranstaltung am 14.01.2016 im QVC Servicecenter in Bochum zum Thema Inklusion in Zusammenhang mit Führungskräften zahlreich besucht wird. (Ja, das war eine Einladung …)

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Über den Autor

Johanna Lämmermann

Johanna Lämmermann hat es nach Ihrem Fachabitur in Pädagogik & Psychologie und einem freiwilligen sozialen Jahr in der Altenpflege ins grüne Büro der DATEV verschlagen – und darüber ist Sie auch ziemlich froh! Seit September 2014 macht Sie hier eine Ausbildung zur Kauffrau für Dialogmarketing und hat sich damit Ihren Kindheitstraum vom Beruf „in dem man (frau) hohe Schuhe tragen kann“, erfüllt. In Ihrer Freizeit ist Johanna gerne viel unterwegs – im Sommer wird Sie definitiv auch in diesem Jahr wieder auf keiner „Kärwa“ fehlen.