Diversity-Day bei DATEV

Der Fremdenführer in meinem Kopf

von am Montag, 6 Juni 2016
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Wir Menschen des 21. Jahrhunderts sind rational. Unvoreingenommen und weltoffen. Wir folgen keinen Instinkten, sondern wir denken nach. Wir beurteilen andere nicht nach unserem Bauchgefühl, sondern überlegen genau, ob wir jemanden kennenlernen möchten oder nicht. Gleiches gilt für Führungskräfte: beim Vorstellungsgespräch wird ein Bewerber danach beurteilt, ob er für den Job die nötige fachliche Kompetenz mitbringt.

Wie unbewusste Vorurteile unser Leben bestimmen

Stimmt, denken Sie jetzt vielleicht. Stimmt nicht immer, sage ich.

Um Sie jetzt vom Gegenteil zu überzeugen, habe ich ein kleines Rätsel für Sie in Petto:

Ein Schläger und ein Ball kosten 1,10 Euro.
Der Schläger kostet einen Euro mehr als der Ball.
Was würden Sie sagen, Wie viel kostet der Ball?

Haben Sie im ersten Moment auch gedacht, dass der Ball 10 Cent kostet? Dann muss ich Sie leider enttäuschen, denn der Ball kostet 5 cent, der Schläger 1 Euro und 5 cent.

Was sich bei einigen von Ihnen im Kopf abgespielt hat, ist das typische Denken in Schubladen, in der Fachsprache als unconscious bias bezeichnet. Unser Gehirn versucht sich Arbeit zu ersparen, indem es zu schnell aufhört wirklich nachzudenken. Es hinterfragt nicht und rechnet nicht aus, sondern gibt uns eine Antwort vor, die auf dem ersten Blick logisch erscheint.

Die Gründe für unser Schubladendenken reichen weit zurück in der Geschichte. Als Jäger und Sammler waren unsere Vorfahren darauf angewiesen, Entscheidungen in wahnsinnig kurzer Zeit zu treffen. Diese Entscheidungen, oft Flucht oder Angriff, haben den Menschen nicht selten das Leben gerettet. Ob ein Tier gefährlich ist oder nicht, musste der Urmensch sofort einordnen können. Was uns davon bis heute bleibt ist eine selektive Wahrnehmung.

Schublade auf, gut rein gepasst

Im Alltag sind wir ständig mit unbewussten Vorurteilen konfrontiert. Wir lernen immer wieder neue Leute kennen, und beurteilen sie oft vorschnell nach ihrem äußeren Erscheinungsbild. „Der erste Eindruck zählt.“, sagt man häufig. Um noch einmal auf unser Vorstellungsgespräch zurück zu kommen: Wir Menschen neigen dazu, andere Personen die uns ähnlich sind als besonders sympathisch zu beurteilen. Wir erkennen eigene positive Eigenschaften in unserem Gesprächspartner wieder und empfinden diesen deshalb als sehr kompetent und charmant. Ob der Bewerber aber tatsächlich geeignet ist für die Stelle, rückt bei einem persönlichen Gespräch schnell in den Hintergrund.

Personen, die nicht in das Raster der meisten Leute passen, wie solche mit einer Behinderung oder ausländischen Wurzeln, erleben häufiger Stigmatisierungen als andere Menschen. Sie müssen sich im Alltag und vor allem in der Arbeitswelt ständig neu beweisen. Schon Albert Einstein hat erkannt, dass „es schwieriger [sei], eine vorgefasste Meinung zu zertrümmern als ein Atom.“ Denn haben wir erst das unbewusste Vorurteil, Menschen mit Behinderung bräuchten mehr Unterstützung als andere und könnten weniger erreichen, ist es schwer dieses Bild durch ein neues zu ersetzen.

Doch wie kann man es schaffen, von verfestigten Vorurteilen Abstand zu nehmen? Die Antwort liegt eigentlich auf der Hand: Wir müssen mit den unterschiedlichsten Menschen in Kontakt treten und eigene Erfahrungen sammeln. Uns Austauschen, Entscheidungen und Meinungen immer wieder hinterfragen, Feedback einholen oder Dinge aus einer anderen Perspektive betrachten.

Genau das wird am 07. Juni am „Diversity Day“ deutschlandweit versucht. Verschiedene Unternehmen, so auch DATEV, beteiligen sich an spannenden Aktionen rund um das Thema Vielfalt. Denn eines ist klar: eine bunt gemischte Gruppe hat schon immer die besten Ideen hervorgebracht.

Quellen:

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Über den Autor

Jacqueline Suess

Ist seit 2015 bei DATEV als Werkstudentin im Bereich Corporate Publishing unterstützend tätig. Dabei wird sie besonders für die Pflege des DATEV Shops eingesetzt. Jacqueline studiert seit dem Wintersemester 2015 Sozialökonomik an der Universität Erlangen-Nürnberg.