Interview mit Leon Erkarslan

3 3/4 Fragen zur Agilität

von am Montag, 1 April 2019
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Um den Arbeitsalltag unserer Kollegen darzustellen, starten wir eine neue Video-Interviewserie auf Instagram „datevkarriere“. Manchmal reichen 3 ¾ Fragen einfach nicht aus. Daher führen wir das Interview an dieser Stelle als Blogbeitrag fort.

Manch einer wird sich fragen, warum 3 ¾ Fragen? Dahinter steckt ein ganz einfacher Gedanke. Im Format werden drei fixe Fragen gestellt, die sich mit dem Interviewten oder seinem Aufgabenfeld beschäftigen. Die ¾ Frage, also die letzte Frage, wird etwas privater und emotionaler.

Unser Interviewpartner ist Leon Erkarslan. Er ist Softwareentwickler bei DATEV. Im Interview geht er auf das Thema Agilität ein.

Du hast im Interview erwähnt, dass ihr agil arbeitet. Was bedeutet das bei euch im Team?

Wenn jetzt jemand denkt, wir sind ein agiles Team wie man es aus dem Lehrbuch kennt, dann muss ich ihn hier ganz klar enttäuschen.
Unser Team steckt da definitiv noch in den „Kinderschuhen“, wir sind aber auf einem guten Weg, und werden immer besser – und das Sprint für Sprint.

Wir lehnen uns an die Agilität nach Scrum sehr stark an, wir haben einen Product Owner, der die Wünsche und Anforderungen der Stakeholder in der Sprintplanung mit einbringt und entsprechend priorisiert. Nach der gemeinsamen Erstellung des Sprint-Backlogs weiß jeder im Sprint-Team ganz klar, was er bis wann zu erledigen hat.

Inoffiziell machen wir sogar „DailyStandups“, in denen wir uns untereinander auf den „Status quo“ im Projekt bringen.
Somit weiß auch ich aus der fachlichen Sicht, wie weit der Software-Architekt in unserem Team ist, und ich kann meine Aufgaben daran orientieren und auch messen.

Für unser Projekt haben wir auch eine externe Consulting-Firma, die uns unterstützt. Hier erzielen wir sehr gute Ergebnisse mit unseren agilen Arbeitsmethoden, sowohl bei uns im Team als auch nach außen hin zu unseren Partnern.

Welche Vor- und Nachteile hat das agile Arbeiten?

Nachteile durch agile Arbeitsmethoden sollte es eigentlich so gut wie keine geben, vielleicht Anfangsschwierigkeiten wie bei uns im Team. Diese Phase sollten aber nicht lange anhalten.

Wenn es allerdings zu erheblichen Nachteilen kommt, sollte man es mit dem Thema Agilität sein lassen. Nicht alle Strukturen müssen agil ausgerichtet sein, warum auch?
Agile Arbeitsmethoden sollten aus meiner Sicht nur da zum Einsatz kommen, wo es a) sinnvoll ist und b) einen spürbaren Mehrwert erzeugt, für unsere Kunden und intern.

In meinem Nachbar-Team hat man jetzt ein DevOps etabliert. DevOps-Teams sollen, kurz gesagt, die sogenannte Wall of Confusion umgehen und somit die Entwickler näher an den Anwender bringen.

Durch das Aufbrechen noch bestehender Silokultur wollen wir interdisziplinäre Teams aufstellen, die zu einem durch eine Kombination aus Continous Delivery und agilen Entwicklungsmethoden auf der technischen Ebene überzeugen , und zum anderen die Komplexität des Software Development-Life-Cycles reduzieren.

Wie sieht agiles Arbeiten zukünftig aus?

Die Frage lässt sich, glaube ich, pauschal nicht beantworten, denn es spielen viele verschiedene Faktoren mit hinein. Die Kollegen aus dem BS Bereich etwa werden Agilität künftig anders angehen als der Entwicklungsbereich oder unsere Rechtsabteilung.

Und wir als interner Premium-Dienstleister und Zukunftsgestalter stehen da noch einmal vor anderen Herausforderungen, die unsere agilen Arbeitsmethoden beeinflussen werden, gerade im Hinblick auf Themen wie DevOps, CloudFoundry, Container-Technologien.

Aber zurück zur eigentlichen Frage. Ich stelle ich mir autonome Teams vor, losgelöst von der Abhängigkeit von anderen Abteilungen. Teamleiter, die sich nicht mehr als „Chef“ in Form von, „ich sage, Du machst“, sondern als Coaches verstehen und das Team dadurch unterstützen – und das durch respektvolle Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

Kollegen, die durch eigenständiges unternehmerisches Denken und Handeln auf Veränderungen am Markt reagieren und damit auch umgehen können.
Weg vom Silodenken, hin zum gemeinsamen Nenner, um es auf den Punkt zu bringen.

Was bedeutet Agilität für dich?

Die Gemeinsame Verantwortung, den Kunden Mehrwert zu liefern.

Ich stelle mir einfach immer eine Tastatur vor, wie sie vor all unseren Rechnern liegt.

Und wenn ich mir jetzt vorstellen müsste, der Kundenwunsch wäre es, einen Liebesbrief von mir zu erhalten, dann müsste ich jetzt, wenn wir nach Silodenken arbeiten, die Tastatur aufteilen von oben nach Unten. Erste Reihe Team 1, zweite Reihe Team 2 und so weiter.

Und dann haben wir denselben Kundenwunsch nach einem Liebesbrief, aber diesmal kein Silodenken in einzelnen Teams, sondern wir performen gemeinsam auf der Tastatur.

Ganz nach dem Motto: „The performance of a system is not the sum of its parts. It`s the product of it`s interactions.“ – Russel Ackoff.

Bildquelle: https://www.slideshare.net/Agilegreece/agile-greece-summit-2017-lean-business-agility

 

Interviewpartner: Leon Erkarslan

Er arbeitet seit November 2018 in der Softwareentwicklung.

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Über den Autor

Lea Schindler

Seit April 2018 ist sie als Werkstudentin in der Abteilung Corporate Publishing tätig.