Vielfalt frisst Einfalt

von am Dienstag, 30 April 2013
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Kreativität und Agilität, das sind die beiden Eigenschaften, die sich Unternehmenschefs laut einer weltweiten IBM-Umfrage für ihre Organisationen am meisten wünschen. Dieser Wunsch steht jedoch im Widerspruch zur betrieblichen Realität in vielen Unternehmen. Es ist auch nicht gerade leicht, diese wohlklingenden Schlagworte zum Leben zu erwecken. 

DATEV-Mitarbeiter in der DiskussionSchon seit Jahrzehnten wird beteuert, der Mitarbeiter stehe im Mittelpunkt, er benötige Gestaltungsspielräume und auf die gute Zusammenarbeit mit anderen komme es an. Führungskräfte müssten die Voraussetzungen schaffen für ein möglichst produktives Zusammenwirken über Abteilungs-, Bereichs- und fachliche Grenzen hinweg. Leider blieben viele Unternehmen in alten Kooperations- und Führungsmustern stecken. Es blieb bei Absichtserklärungen, obwohl der Druck auf das Innovationstempo stieg.

Shareconomy war das Leitthema der diesjährigen IT-Messe Cebit. Der Harvard Ökonom Martin Weizmann hatte den Begriff ,Share Economy‘ 1984 geprägt, um ein Wirtschaftssystem zu beschreiben, dass zu nachhaltigerem Wohlstand führt. Das bedeutet heute, Ressourcen zu sparen, zu nutzen statt zu besitzen, Wissen zu teilen. Eine grundlegend gewandelte Arbeitswelt kündigt sich an, in der soziale Medien, Mobilität und Offenheit einen hohen Stellenwert haben.

Offenheit ist ein Attribut, dass die Wandlungsbereitschaft eines Unternehmens kennzeichnet. Offenheit kennzeichnet aber auch die Art und Weise der Kommunikation und Vernetzung (z.B. unter dem Begriff ,Open Innovation‘). Auch steht Offenheit für eine Kultur der Toleranz und des Vertrauens, in der jeder seine Talente bestmöglich einbringen kann. Wir erfahren im Alltag, wie bereichernd der Austausch sein kann mit Menschen anderer Herkunft, mit Menschen, die eine andere Weltanschauung oder Religionszugehörigkeit haben, die eine Behinderung haben, die zu einer anderen Altersgruppe oder dem andern Geschlecht angehören.

Was die Umsetzung so schwierig macht, ist der Umgang mit dem menschlichen Faktor. Es ist nun einmal ein grundlegender Zug des menschlichen Wesens, dem Unbekannten und Andersartigen nicht unvoreingenommen, sondern meist misstrauisch zu begegnen. So erleben wir derzeit, dass die unterschiedlichen Generationen in der Belegschaft – der maximale Altersunterschied wächst auf 50 Jahre an – Schwierigkeiten haben, ein gemeinsames Kommunikationsverständnis zu entwickeln.

Mein Fazit: Menschliche Vielfalt und übergreifende Zusammenarbeit sind als Quell für Innovationen künftig noch besser zu Entfaltung zu bringen, um als Unternehmen Erfolg zu haben. Der Weg zu mehr Kreativität und Agilität führt über mehr Offenheit gegenüber dem Andersartigen.

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Über den Autor

Jörg von Pappenheim

begann nach dem Studium der Rechtswissenschaften seine berufliche Laufbahn im Personalbereich bei Siemens. Anfang 1997 wurde er Personalchef des Rodenstock-Konzerns in München. Seit 2004 ist er Mitglied des Vorstandes der DATEV eG. in Nürnberg, IT-Dienstleister für Steuerberater, Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer sowie deren Mandanten. Zu seinem Ressort gehören die Bereiche Personal, Gebäude und Umwelt.

Über wechselnde Unternehmen hinweg galt sein Hauptinteresse immer den Menschen im Unternehmen, dem Wandel und der Nachhaltigkeit. In Fachbüchern, Artikeln und Vorträgen bezieht er Stellung zu nachhaltiger Unternehmensführung und strategischer Personalarbeit. Jörg Rabe von Pappenheim ist verheiratet und hat drei Kinder. In der Freizeit liebt er das Joggen, Skifahren und Reisen.