Blond, jung, reisend oder: „Wo ist denn Dein Koffer?“ – Dienstreise mal anders!

von am Dienstag, 13 Oktober 2015
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Meine lieben Leserinnen und Leser,

sitzen Sie gerade gestresst vor dem PC und sind auf unserem Azubi-Blog gelandet, weil Sie unbedingt mal eine kleine Auszeit brauchen? Das ist doch alles gar kein Problem. Schließen Sie mal kurz die Augen, stellen sich vor, Sie liegen an einem weißen, feinen Sandstrand, in der rechten Hand ein gutes Buch, in der linken einen eisgekühlten, fruchtigen Cocktail. Wäre das nicht wunderbar? Solche oder so ähnliche Assoziationen weckt das Wort „Reise“ in mir. Und wenn der kleine Zusatz „Dienst-“ nicht wäre, klingt das doch fast wie Urlaub. Leider muss ich Sie nun schon wieder in Ihrer soeben herbeigeführten Entspannung stören – denn meine letzte Reise führte mich nicht an eine sonnenverwöhnte Bucht in Thailand, sondern in ein kleines Städtchen in Niedersachsen – begleiten Sie mich doch einfach!

Ein Sommernachtstraum

Der Sommer, liebe Leserinnen und Leser, ist noch gar nicht so lange her. Und im Sommer ist es ja bekanntermaßen schon so früh morgens hell, dass  sich die Vögel auf den Fensterbrettern schon gegen 5 Uhr früh lautstark bemerkbar machen. Ist es also noch dunkel, wenn sich der Wecker einer akustischen Explosion hingibt, dann muss es quasi noch mitten in der Nacht sein. In einer solchen Nacht brach ich zu meiner ersten Dienstreise nach Niedersachsen auf – dorthin begleitete ich einen Kollegen aus dem Consulting, der in einer Gemeinde eine Schulung abhielt. Um 4:30 Uhr klingelte also mein Wecker und eine Stunde später stand ich an der Bushaltestelle in der Vorortmetropole Stadeln und stellte erleichtert fest, dass ich es zum Glück nicht versäumt hatte, im schlaftrunkenen Zustand meine Schlafanzughose auszuziehen. Gegenüber der Bushaltestelle meines Vertrauens befindet sich ein Lebensmittelgeschäft. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich beobachtet, wie ein Supermarkt in aller Herrgottsfrühe mit Waren beliefert wird – es war unglaublich! Während des Studiums wäre sowas nämlich niemals möglich gewesen – dankenswerter Weise begannen die frühesten Vorlesungen immer erst gegen 10 Uhr.

Als ich am Bahnhof in Nürnberg ankam, stellte ich fest, dass ich doch nicht die Einzige war, die zu diesen Unzeiten unterwegs war – die Gestalten, die mir da entgegenstolperten, hatten ihr Bett wohl die ganze Nacht noch nicht gesehen. Mein Zug hatte glücklicherweise keine Verspätung und so fand ich mich eine Viertelstunde später im angenehm leeren ICE wieder. Da ich ja noch ein wenig müde war, dachte ich, ich könnte die dreistündige Fahrt Richtung Hannover für ein Nickerchen nutzen. Pustekuchen! Meine lieben Leserinnen und Leser: Haben Sie sich schon mal privat oder geschäftlich in einen dieser ICE-Sitze begeben? Die sind geformt wie krumme Bananen und spätestens nach einer halben Stunde kann man seinen Nacken kaum noch bewegen. Allerdings ist mir während der mehrstündigen Fahrt auch in den Sinn gekommen, dass mit meiner Anatomie einfach etwas nicht stimmt. Der Mann, der sich eine Station später neben mich setzte, brauchte nämlich keine drei Minuten, um in ein äußerst ergiebiges Schnarchkonzert einzustimmen. Und so war auf der Fahrt wenigstens musikalisch etwas geboten.

How to eat an apple

In Hannover angekommen, hatte ich erstmal eine halbe Stunde Aufenthalt. Und das war auch gut so. Denn wie ich unlängst festgestellt hatte, hatte ich natürlich meine Zahnbürste zuhause vergessen. So sorgte ich schnell für Ersatz und setzte meine Fahrt mit der S-Bahn fort. Und dann wurde es… ländlich! Meine Kollegen im Büro (an die an dieser Stelle natürlich ein herzlicher Gruß geht!) hatten sich ja schon nach Bekanntwerden meiner Reise köstlich darüber amüsiert, dass ich doch nun auch endlich mal in den Genuss des Anblicks von Schafen und Schweinen auf dem Land kommen würde. Schweine habe ich leider nicht gesehen, dafür waren aber zahlreiche Pferde und Schafe unterwegs. Dass ich auf dem Land unterwegs bin, konnte ich auch an einer weiteren Tatsache festmachen. Der Mann neben mir war ein sogenannter „Apfelganzesser“. Kennen Sie diese Menschen? Mir persönlich sind die ein wenig unheimlich, weil ich absolut nicht nachvollziehen kann, wie man einen Apfel komplett mit Kerngehäuse verspeisen kann. Das Kerngehäuse ist doch schließlich hart und man hat das Gefühl, dass man auf einem Stück Plastik rumkaut. Ich spreche aus Erfahrung, ich habe das nämlich im Selbsttest erprobt. Nichtsdestotrotz ist es ja gesund und okay – aber doch ein wenig ominös.

Alles läuft nach Plan!

Im Hotel angekommen, checkte ich ein und ab diesem Zeitpunkt verlief die Reise in geordneten Bahnen. Das lag vermutlich auch daran, dass mein Kollege aus dem Außendienst einen genauen Plan hatte, wann was zu tun war. Am ersten Tag richteten wir lediglich die PCs für die Schulung am darauffolgenden Tag ein. Am nächsten Tag wurde die Schulung dann durchgeführt und ich war schon ein wenig stolz, dass ich meinen Kollegen ein wenig unter die Arme greifen konnte.

Am zweiten Tag ging es dann schon wieder zurück. Beim Frühstück schaute mich mein Kollege ein wenig verwirrt an, da er, wohl ein wenig vorurteilsbehaftet, vermutet hatte, ich würde mit großem bis sehr großem Gepäck reisen. Ich musste ihn enttäuschen – wenn man mit den Öffentlichen fährt, muss man nämlich alles selbst tragen.

Mit leichtem Täschchen trat ich also die Rückreise an. Kurz bevor die S-Bahn in Hannover ankam, machte ich eine folgenschwere Entdeckung: Ich hatte zum Umsteigen in den ICE exakt zwei Minuten Zeit. Als die Türen sich öffneten, hüpfte ich aus der S-Bahn, holte noch einmal tief Luft, fuhr meine Ellenbogen aus (das habe ich so von meiner Oma gelernt) und rannte. Zunächst war ich auch recht flott unterwegs – ich muss allerdings einschieben, dass ich kurzzeitig ausgebremst wurde! Und das nicht etwa von mir entgegenkommenden Fahrgästen – für diese hatte ich ja extra meine Ellenbogen ausgefahren. Aber wer um Himmels Willen hat es sich ausgedacht, die Stufen zum Gleis mit Werbung für Schokolade zu versehen? Was soll das denn? Ist das ein Versuch der Bahn, Fahrgäste auszubremsen und so eigene Verspätungen zu vertuschen? Ich habe es glücklicherweise noch in den ICE geschafft – gerade so!

Da saß ich nun – im Blazer und auf dem Boden. Der Zug war nämlich brechend voll. Und wenn mir in Nürnberg nicht ein äußerst zuvorkommender junger Mann vom Boden aufgeholfen hätte – wer weiß, vielleicht würde ich dann immer noch sitzen.

Gegen 21 Uhr war ich dann wieder zuhause – reich an neuen Erfahrungen und natürlich mit viel Vorfreude auf meine nächste Dienstreise!

Über den Autor

Kerstin Rockenmaier

hat im September 2014 eine Ausbildung zur Kauffrau für Dialogmarketing bei der DATEV begonnen. Vor ihrem Eintreten in die „grüne Welt“ hat sie ein geisteswissenschaftliches Studium absolviert – nun darf sie bei der DATEV arbeiten (und das ist auch gut so), die Liebe zum Schreiben ist ihr aber dennoch erhalten geblieben.