Von zuhause Arbeiten – eine echte Alternative zum Büro?

von am Montag, 10 März 2014
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Aktuell wird viel diskutiert über die sogenannte New Work, die neue Arbeit. Zunehmen wird danach die rein virtuelle Präsenz bei der Arbeit. Das klingt jetzt erstmal hochgestochen, aber meint nichts anderes, als dass man eben nicht im Büro arbeitet, sondern anderswo. Zum Beispiel zuhause.

Stefan Scheller Home OfficeSo ein Homeoffice, manchmal auch Telearbeitsplatz genannt, nutze ich seit nunmehr fast 14 Jahren. In meiner Anfangszeit bei DATEV war ich dreieinhalb Jahre lang im Consulting-Bereich. Und wie der Name „Außendienst“ schon sagt, verbrachte ich einen Großteil meiner Zeit im Einsatz bei unseren Mitgliedern, den Kanzleien. Abends beziehungsweise an Tagen, an denen ich die erhaltenen Aufträge bearbeitet habe, konnte ich von zuhause meine Anbindung an das DATEV Rechenzentrum nutzen.

So ein Homeoffice hatte dabei echte Vorteile. Während ich morgens ins Büro knapp 25 Minuten hätte anfahren müsste, sparte ich mir diese Zeit und konnte sofort loslegen. Ebenso fiel die Rückfahrt im Berufsverkehr flach. Und irgendwie war es natürlich auch ein cooles Gefühl, wenn man morgens noch im Pyjama mit marmeladenverschmiertem Mund mit dem Vorstand telefoniert…

Allerdings hatte ich mich auch oft etwas alleine gefühlt, so weit weg von den Kollegen. Ganz zu schweigen davon, dass man sich zuhause auch selbst versorgen und nicht das leckere Kantinenessen genießen kann.

Als Führungskraft im Produktmanagement habe ich das Homeoffice dann eher sporadisch genutzt, zum Beispiel wenn sich die Handwerker mal angekündigt hatten und es ein Frevel gewesen wäre, dafür gleich einen ganzen Tag frei zu nehmen. Zudem fand ich es besser, für die Mitarbeiter persönlich zur Verfügung zu stehen. Man glaubt gar nicht, wie wichtig es vielen Mitarbeitern ist, dass sie mal kurz mit einem Anliegen persönlich vorbeischauen können. Das darf man nicht unterschätzen.

Jetzt als Personaler im Personalmarketing haben sich in mehrfacher Hinsicht die Voraussetzungen geändert: Zum einen investiere ich einen größeren Teil meiner Arbeit in eher konzeptionelle Tätigkeiten, Recherche oder Textarbeit. Da ist die Ruhe eines Homeoffice (wenn man nicht gerade eine Baustelle vor der Tür hat!) genau richtig. Zum anderen haben wir bei DATEV seit einiger Zeit unterstützende IT-Werkzeuge zum gemeinsamen Online-Arbeiten an Projekten bzw. Instant Messenger. Das erleichtert die schnelle Kommunikation ungemein und man muss nicht wegen jeder Kleinigkeit anrufen oder eine Mail schreiben mit all den Formalia wie Betreffzeilen und sowas. – Und wenn ich dann mal nicht direkt am Laptop sitze, hilft notfalls auch eine Whatsapp auf mein Handy mit der Bitte um Kontaktaufnahme.

Man kann also sagen, dass die Arbeitszeitsouveränität durch ein Homeoffice gewinnt. Ist perfektes Sonnenwetter, kann man einen kurzen Mittagsspaziergang im Wald machen und die Zeit dann nacharbeiten, notfalls auch am Wochenende.

Aber da zeigen sich auch gleich die Einschränkungen einer solchen Arbeitsweise: Das geht natürlich nur bei Jobs, bei denen keine Kunden- oder Servicezeiten eingehalten werden müssen. Und aus Sicherheitsgründen lassen wir bei DATEV Mitarbeitern mit Zugang zu streng vertraulichen Daten nur in wenigen vom Vorstand genehmigten Ausnahmefällen überhaupt eine Arbeit an diesen Daten via Homeoffice zu. Das ist mit Blick auf die hohen Erwartungen unserer Kunden an Datenschutz und Datensicherheit sehr vernünftig und sinnvoll.

Ich nutze die Möglichkeit von zuhause zu arbeiten im Durchschnitt einen Tag pro Woche. Die Angst, von den zu vielen Möglichkeiten der Beschäftigung zuhause von der Arbeit abgehalten zu werden, habe ich persönlich nicht. Es ist trotz allem immer noch Arbeit. Das darf man dabei nicht vergessen!

Aber an die veränderte Art der Arbeit und Kommunikation muss man sich tatsächlich erst gewöhnen. Wobei ich es toll finde, für Tätigkeiten, für die es geeignet ist, mein Homeoffice auch zu nutzen. Ich rate aber dazu, für sich und seine Tätigkeit genau zu prüfen, ob und wie oft eine Arbeit im Homeoffice sinnvoll ist.

Über den Autor

Stefan Scheller

stieg im Jahre 2000 nach dem Studium der Rechtswissenschaften bei DATEV im Consulting ein und übernahm die Beratung von Kanzleien im Bereich Internetmarketing. Über weitere Stationen als Geschäftsleitungsassistent sowie Teamleiter im Bereich Produktmanagement ist er seit 2012 verantwortlich für das Thema Arbeitgebermarke sowie strategische Personalprojekte mit dem Schwerpunkt Kommunikation. In seiner Freizeit ist er leidenschaftlicher Fotograf, Social Media-Nutzer und bloggt zum Thema HR unter persoblogger.de.