Die Bilanz? Positiv! – Über die Irrungen und Wirrungen des Berufsschulalltags

von am Dienstag, 16 Juni 2015
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… Wir sind wieder hier!

Fünf Wochen später… Nein, liebe Leserinnen und Leser, fünf Wochen später ist Forchheim Nord immer noch nicht spannender geworden. Bevor wir das erste Mal unseren Weg in die „Ich habe heute leider vergessen, meinen Schlafanzug auszuziehen“- Metropole antraten, wurde uns von den Azubis des zweiten und dritten Lehrjahres im Scherz schon berichtet, dass man in Forchheim Nord aus Gründen der Kostenersparnis Haustüren als Brennmaterial benutzt, um sich im Winter warm zu halten. Der Sinn hinter dieser Anekdote hat sich mir bis jetzt nicht erschlossen – schließlich liegt Forchheim nicht in der sonnenverwöhnten Südsee und durch eine nicht vorhandene Haustür zieht es unter Umständen doch ein wenig.

Wie auch immer, alle Wege führen nach Forchheim und in das Ihnen vielleicht schon bekannte Klassenzimmer im zweiten Stock. Womit wir schon wieder bei der eben schon erwähnten Südsee wären. Beim Eintreten in den Klassenraum fühlt man sich heute, als würde man ein Tropenhaus aufsuchen – es wird uns leider auch in den kommenden zwei Wochen nicht gelingen, den Hausmeister dazu zu bringen, die zentral gesteuerte Heizung herunterzudrehen.

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„Herzlich willkommen“ heißt uns an diesem Morgen ein alter Bekannter, nämlich der, der mit dem Daumen spricht. Und „herzlich“, das heißt in seinem Fall, sich schon im ersten Satz darüber zu beschweren, dass er zahlreiche Vertretungsstunden in der 10C abhalten darf – Glauben Sie mir, liebe Leserinnen und Leser, die Freude ist ganz auf unserer Seite.

Freudig geht es auch gleich weiter: Eine korrigierte Extemporale hat er, der mit Vorliebe quietschrosa Hemden trägt, für uns. Und schon lernen wir etwas Neues. Nämlich, dass es für uns Schüler schwierig ist, mit Lehrern über ihre Korrekturmethoden zu diskutieren. Die sind – wie so vieles in der herrlich rosa gestrichenen Berufsschule unseres Vertrauens – nämlich Auslegungssache. Und da wir die sind, die hinter den Schultischen sitzen, befinden wir uns leider am kürzeren Hebel.

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… Kleiner Zwischenstand: Yes, wie can!

„I will do my very best“ heißt es im Englischen – dass unser durchaus kompetenter Englischlehrer seinen Vorsatz auch pflichtbewusst umsetzt, bezweifeln wir nicht. Ach und… Wussten Sie, dass der Satz „Can you give me the extension“ nicht bedeutet, dass hier eine künstliche Haarverlängerung im Spiel ist? Tatsächlich ist die „Durchwahl“ gemeint, ob Sie es nun glauben, oder nicht.

In Lernfeld 3 widmen wir uns heute dem Thema „Rhetorik“. Woher wir das wissen? Unser Deutschlehrer, jung, motiviert und voller grenzenlosem Optimismus, hat heute etwas ganz Besonderes geplant – er rappt. Diesen Umstand möchte ich eigentlich auch gar nicht weiter ausführen und lasse ihn einfach gekonnt im Raum stehen. Sie sind natürlich jederzeit frei, sich Ihre eigenen Gedanken zu machen.

Der „Wilde“ darf natürlich auch nicht fehlen. Heute sieht er aus, wie ein Karamellbonbon. Zu einer kaffeebraunen Hose trägt er einen karamellfarbenen Pullover. Sein heutiges Outfit scheint ihn jedoch gar nicht so besonders zu beschäftigen – er widmet seine Aufmerksamkeit lieber einem kleinen Alufolienschiffchen mit Anker, das uns unsere 10B im Klassenzimmer hinterlassen hat. Überhaupt ist der „Wilde“ sehr kunstaffin. Seine Leidenschaft für teure Füllfederhalter ist das Eine – seine Kommentare zu meinen liebevoll auf dem Kollegeblock verewigten Kunstwerke das Andere. Es stört ihn nicht, wenn ich male – ich bin leise und höre ihm zu – das ist, neben regelmäßigen Gesprächen über die Kirchen von Ravenna, alles was er von mir möchte.

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… Mit Schere und Kleber zur Bilanz!

Ein echtes „Lehrerschmuckstück“ ist unser Rechnungswesenlehrer. Dieser bemüht sich aufopferungsvoll, mit Kleber, Schere und Inventar bewaffnet, uns dem Zusammenhang zwischen Bilanz und Inventar näher zu bringen – und siehe da, mit den richtigen didaktischen Methoden sind wir durchaus lernfähig! Mein persönliches Inventar umfasst an diesem Tag ein Schokohörnchen und eine Laugenstange, mit Messen, Zählen und Wiegen ist da also nicht viel!

….

Vier Schulaufgaben und eine Ex haben uns in diesem Schulblock begleitet, so dass die Berichtserstattung leider etwas gelitten hat – aber der nächste Schulblock kommt in naher Zukunft. Dass er sich abwechslungsreich, spannend, nervig aber auch lehrreich gestalten wird, ist Ehrensache. Und dann sehen wir uns wieder in Forchheim Nord und nehmen den Kampf auf – gemeinsam!

Über den Autor

Kerstin Rockenmaier

hat im September 2014 eine Ausbildung zur Kauffrau für Dialogmarketing bei der DATEV begonnen. Vor ihrem Eintreten in die „grüne Welt“ hat sie ein geisteswissenschaftliches Studium absolviert – nun darf sie bei der DATEV arbeiten (und das ist auch gut so), die Liebe zum Schreiben ist ihr aber dennoch erhalten geblieben.