Diversity-Week 2019

Interview mit Nida Niazioglou

von am Dienstag, 5 November 2019
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Im Rahmen der „Diversity-Week“ finden unter dem diesjährigen Motto „Vorsicht Schublade! Wie wir bei DATEV mit Vielfalt umgehen“ unterschiedliche Formate und Veranstaltungen statt. Mehr zum Thema im Interview mit Nida Niazioglou.

Woher kommst du?

Ich bin hier in Altdorf bei Nürnberg geboren und in Schwarzenbruck aufgewachsen. Meine Familie stammt ursprünglich aus Yozgat, einer Stadt in der Nähe von Ankara, ziemlich exakt in der Mitte der Türkei. Ich selber bezeichne mich gerne als „türkische Fränkin“.

 

In welchem Bereich arbeitest Du?

Ich bin im Service Kanzleirechnungswesen tätig. Ich telefoniere und rede gerne, was mir ganz entgegenkommt, denn ich leiste täglich schriftlichen und telefonischen Service für unsere Anwender. Mittlerweile bin ich seit acht Jahren bei der DATEV. Darüber hinaus bin ich gegenüber neuen Aufgaben aufgeschlossen und stelle mich auch gerne neuen Herausforderungen.

 

Besuchst Du regelmäßig die Heimat Deiner Eltern?

Ich bin jedes Jahr circa ein bis zwei Mal in der Türkei. Für mich sind beide Länder, also Deutschland und auch die Türkei, Heimat. Ich bin mit der Kultur und Sprache von dort aufgewachsen. Mir ist es wichtig, regelmäßig die Verwandtschaft zu besuchen. Tatsächlich ist es so ein bisschen wie im Klischee: In Deutschland sind wir die Ausländer, in der Türkei sind wir die „Deutschländer“, irgendwo gefangen zwischen beiden Kulturen.

 

Was empfindest Du als typisch für die türkische Kultur?

Die Gastfreundlichkeit ist in der Türkei sehr ausgeprägt. Die freundliche und offene Art, mit der Menschen aufeinander zuzugehen, ist typisch für die türkische Kultur. Man ist gleich wie Bruder und Schwester. Das Klima dort ist natürlich sehr, sehr angenehm. Die Türkei ist für mich ein wunderschönes Land, jedoch kenne ich den Alltag dort nicht. Letztlich bin ich nur im Urlaub dort und nehme das Land auch nur aus dieser Perspektive wahr.

 

Was genau magst Du an der deutschen Kultur?

Ich schätze an der deutschen Kultur das Ordentliche, Systematische, die Genauigkeit und das Qualitätsbewusstsein. Ansonsten finde ich es sehr schön, dass hier viel Wert auf den Erhalt der Natur, der Altstädte und der Denkmäler gelegt wird.

 

Wie war Dein beruflicher Weg bis zur DATEV?

Ich trage bereits seit ich zwölf Jahre alt bin aus eigener Überzeugung ein Kopftuch. Tatsächlich habe ich mich bei der Arbeitssuche schwergetan. In der Rechtsanwaltskanzlei, in der ich meine Ausbildung gemacht habe, wollte man nicht, dass ich das Kopftuch trage. Deshalb habe ich es vor der Arbeit abgesetzt und nach Feierabend wieder aufgesetzt. Nach Abschluss der Ausbildung habe ich circa ein Jahr nach Arbeit gesucht. Schließlich war ich in einer Steuer- und Rechtsanwaltskanzlei mit überwiegend türkischstämmigen Kollegen 4,5 Jahre tätig.

 

Wie ging es danach für dich weiter?

Über eine Zeitarbeitsfirma bin ich schließlich zur DATEV gekommen. Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich mit der DATEV keine großen Berührungspunkte. Meiner Bewerbung hatte ich kein Bild beigefügt, um meine Chancen zu erhöhen bzw. die Vorentscheidung nicht auf äußerliche Merkmale zu reduzieren. Das Vorstellungsgespräch hat dann überraschenderweise zwei Stunden gedauert. Das Gespräch begann erst mit leicht skeptischen Blicken, entwickelte sich jedoch sehr schnell in einen tiefgreifenden Dialog über meine Person. Letztlich begann mein beruflicher Weg bei der DATEV mit einer befristeten Einstellung, worüber ich mich sehr gefreut habe. Von da an stellte das Kopftuch dank DATEV kein Hindernis mehr dar. Die DATEV gab mir die Chance in einer Open-Culture-Atmosphäre meine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Nach 1,5 Jahren als ein Mitglied der „Dönertruppe“  – so die Bezeichnung meiner damaligen Zeitarbeitsgruppe –, mündete dies in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis im Kundenservice.

 

Wie begegnest du heute eventuell auftretenden Vorurteilen?

Heute versuche ich Vorurteilen und Klischeedenken mit einem gewissen Humor zu entgegnen, indem ich manchmal lustige Sprüche von mir gebe, wie: „Ein Alien ist mit seinem Ufo in der DATEV gelandet.“ Durch meine offene und aufgeschlossene Persönlichkeit haben mich meine Kollegen auch mit meinem Kopftuch ins Herz geschlossen. Mir ist es gelungen die Vorurteile aus dem Weg zu räumen und meine Umgebung positiv zu beeinflussen. Es bereitet mir viel Freude, ein Stück DATEV mitzugestalten.

 

Last, but not least: Was heißt „Steuerberater“ in Eurer Landessprache?

Vergi danışmanı.

 

Besten Dank für das Gespräch, Nida Niazioglou!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Über den Autor

Michael Öchsler

ist seit September 2019 mit an Bord bei DATEV und kümmert sich mit um die Kommunikation von HR-Themen wie Personal und Karriere. Der Kommunikationswissenschaftler hat zuvor bereits berufliche Erfahrungen im Bereich Unternehmenskommunikation und Marketing gesammelt. Seine Freizeit verbringt er am liebsten in den Alpen, wo er im Sommer Hügel erklimmt, um sie im Winter auf zwei Brettern hinab zu brettern (zwischendurch ist er auch mal hier).