Unsere Kollegen berichten von ihrem aktuellen Arbeitsalltag

Unser Cross-Solution-Center im Homeoffice

von am Dienstag, 28 April 2020
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Im hauseigenen Büro, auf der Couch oder vielleicht sogar auf der Terrasse – viele Menschen arbeiten momentan von zu Hause aus. Sie entwickeln, coden, berechnen, analysieren, planen, schreiben, telefonieren und konferieren per Video. Klingt praktisch und vor allem bequem für einen Tag oder zwei, vielleicht auch für eine Woche. Aber was, wenn das Arbeiten in den eigenen vier Wänden zum Dauerzustand wird?

Die Abteilung Cross Solution Center (XSC) der DATEV ist im Februar relativ schnell ins Homeoffice umgezogen, um Erfahrungen zu sammeln, von denen später andere Abteilungen profitieren. Auf einen Schlag saßen am ersten Tag 40 Mitarbeiter in ihren privaten Büros. Hier berichten fünf Kollegen von ihren Eindrücken und Erlebnissen.

 

Christina Frauenknecht (Product Owner)

„Meine Haupttätigkeit darin besteht, mich mit anderen auszutauschen beziehungsweise an vielen Besprechungen teilzunehmen. Vor Corona habe ich den Homeoffice-Tag eher dafür verwendet, User Stories zu schreiben – die notwendigen Abstimmungen habe ich an den Bürotagen erledigt.

Jetzt haben wir als Team drei feste Synchronisierungstermine, um die fehlende Rücksprache über den Schreibtisch zu kompensieren. Damit stellen wir sicher, dass wir immer wissen, wer an was arbeitet und wer wo Unterstützung benötigt oder ob Klärungsbedarf besteht. Auch Termine mit den Auftraggebern funktionieren bis jetzt einwandfrei.

Die größte Herausforderung für mich ist, dass die Stimmung im Homeoffice nicht ganz so gut rüberkommt. Sitzt man gemeinsam im Büro, kriegt man viel leichter mit, wenn jemand nicht gut drauf ist. Es gibt aber auch kleine, schöne Erlebnisse – zum Beispiel ein Baby, das plötzlich auf den Bildschirm starrt und lacht oder die Ehefrau des Kollegen, die vergeblich versucht, ungesehen an der Kamera vorbei zu schleichen.“

Jürgen Latteyer (Corporate Learning Coach)

Der informelle Austausch ist sehr wichtig, deshalb habe ich uns einen virtuellen Frühstücksraum eingerichtet. Dort treffen sich ein paar Kollegen und reden im Augenblick natürlich viel über ihre Erfahrungen mit Skype und BlueJeans oder über ihre Kinder. Abgesehen davon, dass es keine Parallelgespräche gibt, fühlt es sich fast so an wie am echten Frühstückstisch im XSC.

Bei Videokonferenzen ist mir aufgefallen, dass Mimik vermehrt eingesetzt wird, wenn sich Menschen unbeobachtet fühlen, und diese auch eine andere als face to face ist.  Gestik fällt dafür fast komplett weg. Und es ist herausfordernd, wenn man sich mit mehr als zehn Menschen bespricht. Durch eine leichte Verzögerung reden manchmal mehrere Menschen gleichzeitig.

Ich finde es auch sehr schön zu erfahren, wie es bei den Menschen daheim aussieht. Da stehen Pokale vom Sohn im Regal oder hängen Gitarren an der Wand. Das lässt die Menschen in einem ganz anderen Licht erscheinen.“

Elke Ruffing (Führungskraft Personal)

Ich habe seit Jahren schon immer wieder mal im Homeoffice gearbeitet, allerdings unregelmäßig und nur ergänzend zur Anwesenheit im Büro. Ich habe alles, was ich brauche, vermisse aber zum Beispiel einen höhenverstellbaren Schreibtisch. Mein WLAN scheint auch nicht das schnellste zu sein.

Mein Tag besteht in der Regel aus vielen Terminen. Die finden jetzt telefonisch oder virtuell statt, einschließlich Feedback für die Mitarbeiter und Bewerbungsgespräche. Virtuelles Arbeiten erfordert aus meiner Sicht mehr Konzentration. Im Büro arbeiten wir in offenen Strukturen, da ergeben sich oft ad hoc Gespräche. Jetzt bekomme ich weniger von den Teams mit. Wie geht es den Kollegen? Wie geht gute Führung remote? Wie kann ich Überforderung erkennen? Was nervt? Was unterstützt? Da habe ich noch kein klares Bild, wie ich damit in der kommenden Zeit umgehe.“

Michael Kosny (Fullstack-Developer)

„Ich arbeite schon länger einmal die Woche im Homeoffice, gelegentlich auch häufiger. Wir hatten das Problem, dass es nur einen Schreibtisch in der Wohnung gab – einer hätte immer am Esstisch arbeiten müssen. Das geht mal ein, zwei Tage, aber sicher nicht über Wochen hinweg. Deshalb bin ich erst einmal ins Möbelhaus gedüst.

Aktuell befinden wir uns in den ersten Sprints des neuen Arbeitspakets. Deshalb gibt es viele virtuelle Workshops und Abstimmrunden. Unser erster Team-Remote-Workshop hat gezeigt, dass es durchaus ein paar Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Wir hatten den Workshop ohne Webcam durchgeführt, da war es für den Referenten bestimmt problematisch, unsere Gesichter nicht zu sehen.

Wir als Team haben einen virtuellen Konferenzraum, der 24/7 geöffnet ist. Jeder kann, wann immer er möchte, in diesen Raum eintreten oder ihn verlassen. So ist es auch ähnlich wie im Büro möglich, Hintergrundgeräusche und Randgespräche zu verfolgen oder daran teilzunehmen.

Wenn das Wetter passt, ist es wichtig, auch mal rauszugehen. Im Büro kam ich häufig auf 5.000 bis 8.000 Schritte am Tag, je nach Terminlage. Zu Hause ist es nur ein minimaler Bruchteil davon.“

Christina Luja (Scrum Master)

„Ich habe bisher nur selten im Homeoffice gearbeitet, zum Beispiel bei Handwerkerterminen. In der Scrum-Master-Rolle will und brauche ich viel Input. Mein Arbeitstag bringt unter anderem Team-Meetings wie Daily, Refinement, Review, Retro oder Planning mit sich. Diese finden wie gewohnt statt – nur eben virtuell. Mir fehlt die räumliche Nähe, um auch das Team zu erleben. Was ich gut finde, ist die offene und positive Einstellung von jedem gegenüber der virtuellen Arbeitsweise.

Die Trennung zwischen Arbeitszeit und Privatzeit im Dauer-Homeoffice könnte herausfordernd werden. Der Arbeitsweg bleibt mir momentan erspart, daher fehlt mir auch früh die Bewegung, da ich meistens zu den öffentlichen Verkehrsmitteln gesprintet bin. Ich versuche, mir durch ein paar Rituale bewusst zu machen, wann ich gerade in der Arbeitszeit oder Privatzeit bin, um es auch klar voneinander zu trennen.“

Über die Autoren

Kathrin Ritter

hat an der Hochschule Ansbach zunächst Journalismus studiert und kam dabei mit dem Bereich Öffentlichkeitsarbeit in Kontakt, an dem sie Gefallen gefunden hat. Dieses Fachgebiet vertieft sie zurzeit in einem Studium der PR und Unternehmenskommunikation. Seit August 2019 sammelt sie dafür bei DATEV praktische Erfahrungen in der Corporate-Publishing-Redaktion. Privat kocht sie gerne und verbringt viel Zeit in der Natur.

Verena Junker

ist begeistert von Themen rund um Innovationen und Kulturveränderung. Diese Leidenschaft lebt sie seit 2018 als Redakteurin bei DATEV. Zuvor hat sie schon viel von der Kommunikationswelt in Forschung, Mittelstand und Konzern gesehen.