Homeoffice mit Kindern – Danke. Aber nein danke.

von am Freitag, 15 Mai 2020
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„Ich möchte meine komplexen Gedanken zum Thema Home-Office in Verbindung mit Haushalt, Homeschooling, Erziehung und geistiger Gesundheit aller Beteiligten vorsichtig mit einem Wort zusammenfassen: Nein.“

(Max Buddenbohm auf Twitter)


Max, I feel you. Mitte März wurde die Welt eine andere. Ja, auch wegen Corona. Aber hauptsächlich, weil seitdem die Kitas und Schulen in Deutschland geschlossen wurden. Von einem Tag auf den anderen waren wir Eltern allein. Mit Kindern und Arbeit. Und der grassierenden Corona-Angst. Wenigstens blieb uns das Homeoffice…

Seitdem sind wir Krisenmanager, Nachbarschafts- und Großelternhelfer, Erzieher, Köche, Wäscher, Entertainer, Netzwerktechniker, Lehrer, Vorlesemeister, Bastelpartner und natürlich auch Mitarbeiter, Chefs, Kollegen – kurz Heimarbeiter. Hauptsächlich sind wir am Ende aber eins: total fertig!

Als Redakteurin bei DATEV ist das Mimimi auf sehr hohem Niveau. Ich weiß. Homeoffice ist hier schon immer möglich. Frau Merkel ruft „Krise“ und innerhalb einer Woche haben fast alle Mitarbeiter die nötige Ausstattung zur Verfügung, um sofort vom heimischen Schreibtisch aus loslegen zu können. Die ganze Infrastruktur. Das ganze Trallala. Ein passendes Video-Konferenztool ist schnell gefunden und der Rest steht sowieso, weil das Unternehmen schon seit Ewigkeiten auf Digitalisierung setzt – und wie man sieht auch zurecht. Der Betrieb läuft weiter. Eben anders als zuvor, aber ich sehe meine Kollegen täglich, wenn auch nur auf dem Bildschirm.

Bei unseren Online-Redaktionskonferenzen saßen anfangs noch viele putzige Kinderchen auf dem Schoß ihrer Eltern und malten grinsend vor sich hin, während Mama und Papa Corona-Krisen-Pläne diskutierten. Bei den kinderlosen Kollegen machte es sich hier und da mal eine Katze auf der Laptop-Tastatur gemütlich. War das süß!

Wer hätte gedacht, dass wir von vielen Monaten sprechen, die wir in diesem höchst fragilen Konstrukt aus Kind und Kollegen überleben müssen? Knapp sechs Wochen und viele Null-Perspektiven später wurde uns Eltern nämlich das Lachen aus dem Gesicht gewischt. Denn längst haben wir erkannt: Homeoffice. Mit. Kindern. Ist. Furchtbar.

Zumindest mit sehr kleinen Zwergen oder mit solchen, die intensive Unterstützung beim Homeschooling benötigen. Dann, wenn beide Eltern arbeiten müssen. Inzwischen liegen die Nerven blank. Bei den Kleinen und bei den Großen. Hauptsächlich, weil man von Online-Terminen zu Video-Calls hetzt, zwischendrin versucht, die tägliche Arbeit zu erledigen und auch den Kindern gerecht werden möchte. Denn die sitzen hier auch seit Wochen rum; ohne Freunde; ohne Spielplatz; und ohne pädagogischen Mehrwert. Homeoffice bedeutet nämlich durchaus auch, dass das Kind ruhiggestellt wird, während Mama/Papa „nur noch kurz“ eine Mail, ein Telefonat oder einen Text fertig machen müssen. Meine Dreijährige antwortet mir inzwischen übriges gerne „Mama warte mal“, wenn ich etwas von ihr möchte – woher sie das wohl hat?!

Apfelspalten schnitzen, Schulunterlagen drucken, heften, überwachen, wieder einscannen; Ostereier färben, Papierblumen basteln, Pipi-Langstrumpf zum 17. Mal lesen und im Hintergrund dudelt die Tonie-Box. Ach so – gearbeitet werden soll ja auch noch. Es reicht!

Jetzt habe ich den wahrscheinlich nettesten Chef aller Zeiten, der selbst versucht, Zuhause, Kind und Job zu wuppen. Der das vollste Verständnis hat für flexible Arbeitszeiten, längere Pausen und Kindergeschrei bei den wöchentlichen Rücksprachen. Das geht sicherlich nicht allen so. Wie machen das Alleinerziehende? Ich ziehe meinen Hut.

Ich habe das Glück, einen Mann zu haben, der ebenfalls einigermaßen flexibel arbeiten kann. So kann ich von sechs Uhr morgens bis mittags arbeiten und dann ist er dran nach einem kurzen gemeinsamen Mittagessen. Abends treffen wir uns zu Essiggürkchen und Butterbrot wieder. Wenn die Kinder schlafen, sitzt meistens jeder noch mal vor dem Rechner.

Doch trotz aller Bemühungen bleibt am Ende dieser sehr, sehr, sehr langen Tage das Gefühl, dass es für nichts richtig gereicht hat: Die Kinder vermissen trotzdem ihre Freunde und die Kollegen eine bessere Unterstützung. Es ist eine Zerreißprobe und trotzdem wäre der aktuelle Zustand ohne Homeoffice nicht machbar. Wie lange das so geht? Man weiß es nicht.

Unser aller Arbeitsminister, Hubertus Heil, denkt inzwischen darüber nach, Homeoffice gesetzlich zu verankern. Die Idee ist gut. Aus der Not geboren, sicherlich. Trotzdem stellt sich in der aktuellen Situation für uns Eltern die Frage, wann wir hier rauskommen. Denn wer denkt, Homeoffice ist mit Kinderbetreuung vereinbar, hat entweder Homeoffice nicht verstanden oder Kinderbetreuung.

Über den Autor

Astrid Schmitt

…ist seit 2014 Teil des DATEV-Redaktionsteams. Die studierte Journalistin schreibt für alle Formate on- wie offline: Blogs, Internet, Intranet, DATEV-Magazin und das Mitarbeitermagazin „Grünfink“.
Neben ihren beiden Kindern bleibt ihr meist nicht mehr so viel Zeit, wenn aber doch, stehen Sport, Freunde treffen oder der Garten auf Astrids ToDo-Liste ganz weit oben.