Ein emsiger Bienenstock – Arbeiten in der Zukunft

von am Freitag, 23 Oktober 2015
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„Die Zeiger der viertausend elektrischen Uhren in den viertausend Räumen der Brut- und Nornzentrale in Dahlem zeigen auf zwei Uhr siebenundzwanzig. “Dieser emsige Bienenstock”, wie der Direktor gern sagte, summte von höchster Betriebsamkeit. Alle waren an der Arbeit, alles ging seinen geordneten Gang.“
(Aldous Huxley: Schöne neue Welt, 1932)

Der eine oder andere von Ihnen mag sie gelesen haben: Aldous Huxleys Zukunftsutopie namens Schöne neue Welt. Das Werk aus dem Jahr 1932 ist ein Buch der Zukunft und über die Zukunft und ein solches Buch „was immer seine künstlerischen und philosophischen Qualitäten sein mögen, vermag uns nur zu interessieren, wenn seine Prophezeiungen so aussehen, als könnten sie Wirklichkeit werden.“

Was für Aldous Huxley noch ferne Zukunftsutopie war, ist für uns heute in vielerlei Hinsicht bereits Gegenwart. Denn die Gesellschaft, die der Autor im Jahr 1932 entwarf, schuf einen Menschen, der von frühester Kindheit an geprägt wird, doch nicht etwa durch Erziehung und Bildung: Kindern werden Leitsätze, Befehle und Kommandos im Schlaf eingebläut, die ihr ganzes Leben bestimmen. Die schöne, neue Welt verdrängt das natürliche menschliche Verhalten sowie die Emotionalität zugunsten der Aufgabe der eigenen Persönlichkeit und des Zelebrierens der kollektiven Freude und des Einheitserlebnisses. Der Mensch kennt keine Freiheit mehr.

Leben um zu arbeiten

Wenn Sie sich am frühen Morgen auf den Weg zur Arbeit machen, lange bevor die Mütter mit ihren lärmenden Kindern gen Kindergarten ziehen, die Großmütter mit ihren Hunden Gassi gehen und sich Jugendliche auf klappbaren Rollern auf den Weg in die nahe gelegene Schule machen – wenn Sie sich da mal auf der Straße umsehen – dann wird Ihnen die Automatisierung unseres täglichen Lebens bildhaft vor Augen geführt. Müde aussehende Familienväter, die ihre Aktentasche mit einer trägen Bewegung auf den Rücksitz ihres Autos fallen lassen, der Azubi, der mit starrem Blick und Kopfhörern auf den Ohren, die auch jedes noch so laute Geräusch der Außenwelt ausblenden, aus dem Fenster des Busses blickt und die Krankenschwester, die soeben von der Nachtschicht kommt – erschöpft und ausgelaugt.

Das Natürliche wird ausgeblendet. Wir stellen unsere eigenen Bedürfnisse hinter den Bedürfnissen anderer zurück: Dem Arbeitgeber, der auf den nächsten erfolgreichen Vertragsabschluss wartet, dem Chef, der ein gutes Berufsschulzeugnis sehen möchte und dem schwerkranken Patienten, der umsorgt und gepflegt werden möchte.

Doch wird sich dieses Bild in der Zukunft wandeln? Natürlich können wir Menschen durch Maschinen ersetzen. Schon lange kauft man sich das Ticket für die Bahn nicht mehr ausschließlich am Schalter, sondern am Automaten. U-Bahnen rasen fahrerlos durch Nürnbergs Untergrund. Und wer geht heute noch in ein Reisebüro, um den nächsten Urlaub zu buchen? Hier ist das Internet auf dem Vormarsch.

Bei all dem Luxus, den uns die heutige Gesellschaft bietet: Wo bleiben wir als Menschen? Zum einen wird es für den Zukunftsmenschen auch weiterhin wichtig sein, zu arbeiten und eine Aufgabe, ein Ziel zu haben. Zum anderen fehlt der Maschine etwas ganz Wesentliches: Menschlichkeit. Denn ein anerkennender Blick vom Chef und ein liebevoll von der Krankenpflegerin zubereitetes Butterbrot sind einfach durch nichts zu ersetzen.

Als Team zum Erfolg

The Circle von Dave Eggers aus dem Jahr 2014 zeigt die zukünftige Arbeitswelt aus Sicht von Mae Holland. Dieser tritt eine Stelle beim Internetkonzern The Circle an und ist zunächst begeistert: Sport-, Unterhaltungs- und andere Freizeitangebote, ein eigener Kindergarten auf dem Firmengelände und Zimmer sowie Konferenzsäle mit exklusiver Ausstattung, die bereit stehen, wenn sich der Arbeitsalltag bis in den späten Abend fortsetzt. Nicht nur im Büro, sondern auch bei einem der vielen Events, bei denen Gemeinschaftserlebnisse das „Teambuilding“ der Mitarbeiter verbessern soll. Erwähnenswert sind des Weiteren lichtdurchflutete Büros, die gläserne Zentrale inmitten grüner Landschaft und das Kantinenessen, das durchaus einen Michelin-Stern verdient hätte. Das Leben der Menschen im Roman spielt sich innerhalb gläserner Wände und Türen in großzügigen Gebäuden ab. Arbeit, Freizeit und Wohnen verschmelzen zu einer Einheit miteinander.

Das eben beschriebene Büro ist mit ziemlicher Sicherheit ein Büro, wie wir uns es in Zukunft vorstellen können. Neben der Arbeit im Büro gibt es dann noch die „besonderen Angebote“. Man setzt auf „Gemeinschaftserlebnisse“, verbannt den Mensch als Individuum und baut lediglich und ausschließlich auf seine Arbeitskraft, die man durch verschiedene „Events“ kontinuierlich zu steigern sucht. Doch ist es vielleicht nicht wichtiger, in der Zukunft wieder mehr auf den einzelnen Menschen einzugehen? Wie eine bekannte Werbung schon sagt: „Jeder Mensch hat etwas, was ihn antreibt.“ Dieses „etwas“ muss dabei nicht bei jedem Menschen gleich sein. Der eine rückt die Familie in den Mittelpunkt seines Lebens, der andere den Sport – neben der Arbeit gibt es zahlreiche andere Bereiche des Lebens, die den Menschen motivieren und inspirieren.

The Circle malt ein Bild von einer Gesellschaft, in der Liebe, Kultur und Individualismus fehlen – und wenn Sie mal tief in sich gehen – denken Sie nicht auch, dass wir uns dieser Gesellschaft immer weiter annähern? Wir sind zwar zusammen, erleben jedoch nichts wirklich Verbindendes mehr. Trotz aller materiellen Güter, die wir anhäufen, schwindet unsere Lebensfreude zusehends. Die Herausforderung in der Zukunft wird sein, die Freude am Leben wieder neu zu erlernen – es lebe der Individualismus!

Und was kommt als nächstes?

Wie stellen wir uns heute unsere Zukunft vor? Welche Visionen haben wir für die nächsten Jahrhunderte? Wie werden wir wohnen? Werden wir geklont? Haben wir unseren persönlichen Roboter als Freund und Helfer? Leben wir in einer umfassend vernetzten Welt?

Durch die zunehmende und ständig präsente Kommunikation wird sich das Leben der Menschen, sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld, extrem Kind mit Schild fragt nach seiner Zukunftverändern. Permanente Erreichbarkeit führt zu deutlich höherem Druck, den Aufgaben, die durch verschiedene Medien den Einzelnen überschwemmen, gerecht zu werden. Daher steigt auch die Bedeutung der Technik. Dahingehend ändert sich auch die Arbeitswelt: Man geht nicht mehr ins Büro, die Arbeit komme nach Hause: „Mein Büro ist, wo mein Internetanschluss ist“.

Vielleicht werden wir in der Zukunft nicht mehr in Büros arbeiten, unsere Arbeit Maschinen und Robotern überlassen und zum Mittagessen ein molekulares Lunch zu uns nehmen – All das sind Utopien, die so eintreten können – es aber noch lange nicht müssen.

Im Interesse der arbeitenden Bevölkerung sollte stets der einzelne Mitarbeiter stehen – heute wie in der Zukunft. Eine Teamleiterin in der großen grünen Welt der DATEV berichtet: „Wenn es meinen Mitarbeitern gut geht, dann arbeiten sie auch gut.“ Dieser Satz macht in seiner Einfachheit deutlich, wie wichtig es ist, nicht zu vergessen, dass Menschen ganz individuell und vor allem kontinuierlich gefördert werden müssen, um in einer Firma ein gutes Arbeitsklima zu erhalten. Natürlich können wir Menschen in der Zukunft immer weiter durch Maschinen ersetzen, doch möchten Sie Ihre Mittagspause wirklich irgendwann mit einem blechernen Roboter verbringen?

Auch in der Zukunft sollte der Mensch im Mittelpunkt der Arbeitswelt stehen – wir alleine haben es in der Hand!

Über den Autor

Kerstin Rockenmaier

hat im September 2014 eine Ausbildung zur Kauffrau für Dialogmarketing bei der DATEV begonnen. Vor ihrem Eintreten in die „grüne Welt“ hat sie ein geisteswissenschaftliches Studium absolviert – nun darf sie bei der DATEV arbeiten (und das ist auch gut so), die Liebe zum Schreiben ist ihr aber dennoch erhalten geblieben.