Deutscher Diversity-Day 2020

Diversity und New Work – ein Interview mit Tijen Onaran

von am Dienstag, 26 Mai 2020
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Zum diesjährigen Diversity-Day durften wir uns mit Tijen Onaran zu diesen wichtigen Themen wie etwa vielfältige Karrieremodelle, New Work und gelebte Diversity in Unternehmen austauschen. Tijen Onaran ist Unternehmerin, Gründerin und Vorsitzende der Community „Global Digital Women“. Sie spricht zu Themen wie Digitalisierung, New Work und der Erfolgsgeschichte von Frauen. Wie neue Karrieremodelle aussehen, ob digitales Wissen nachhaltig ist und wie wir Schubladendenken langfristig abbauen können, erfahren wir von Tijen im Interview.

 

Die DATEV durchlebt gerade einen enormen Wandel. Neben traditionelle Strukturen und Karrieremodelle tritt nach und nach das Bewusstsein für vielfältigere Arbeitswege. Eine Arbeitswelt muss geschaffen werden, welche die Bedürfnisse der jungen wie älteren Generation berücksichtigt. Wenn wir über Diversity sprechen, sprechen wir auch immer wieder über Frauen und Karriere, über die Vielfalt der Lebenswege. Wie können sich Frauen hier gegenseitig unterstützen?

Was ich beobachte ist, dass es eine neue Generation an jungen Frauen gibt, die ganz selbstverständlich „Female Empowerment“ in ihrer DNA verankert haben. Was wir brauchen, ist generationsübergreifend mehr Verständnis für verschiedene Lebensmodelle! Diversität bedeutet auch Vielfalt der Lebenswege – ob Karriere, Familie oder auch beides: jede*r wie sie/er will!

 

Wie kann New Work Frauen in der Karriere, aber auch Diversity in Unternehmen, fördern?

Die neue Arbeitswelt ermöglicht neue Karrieren. Es gibt neue Berufsbilder und auch ein neues Verständnis davon, dass Hierarchien nicht immer sinnvoll sind. Ich bin kein Fan davon, gänzlich alle Hierarchien abzuschaffen – zu wissen, wer welche Entscheidungsbefugnis hat, gibt auch Orientierung. Allerdings zeigt sich, dass die neue Arbeitswelt viel stärker auf abteilungsübergreifende Kollaboration setzt. Im Mittelpunkt steht die Vernetzung und das hierarchieübergreifend! Diese neue Denk- und Arbeitsweise kommt der Generation Y zugute. Denn die Generation Y lebt und denkt anders im Hinblick auf Arbeit und Selbstverwirklichung. Das „Warum“ und „Wofür“ steht im Mittelpunkt ihrer Denke. Das bedeutet, alles, was darauf einzahlt, dass dieses „Warum“ und „Wofür“ in Unternehmen gelebt und geboten wird, trägt zur neuen Arbeitskultur bei. Was ich durchaus beobachte und durch meine Arbeit mit Global Digital Women sehe ist, dass es neue Karriereverläufe gibt, die durch die Digitalisierung einhergehen und von vielen Frauen als Karrierehebel genutzt werden. Ob es darum geht, ein eigenes Online-Business zu starten oder innerhalb von Organisationen sich Digitalkompetenzen anzueignen und darüber dann Karriere zu machen. Die Digitalisierung ermöglicht neue Karrierechancen, wenn man sie ergreift!

 

Die Diversity-Week der DATEV stand 2019 unter dem Motto „Unbewusste Vorurteile und Stereotype“. Können wir durch New Work, durch digitales Arbeiten, der Bildung von Stereotypen entgegenwirken? 

Digitale Kommunikation lebt von Positionierung – was bedeutet, dass ich selbst in der Hand habe, was ich von mir preisgebe und was nicht. Für das Thema der Stereotype bedeutet dies, dass es durchaus eine Chance sein kann, das Bild, das ich von mir vermittle, vorurteilsfrei zu gestalten. Dennoch wird es immer wieder Schubladendenken und Vorurteile geben, ob digital oder analog! Wichtig finde ich, dass diese Stereotype angesprochen und thematisiert werden, nur so lässt sich was verändern!

 

Die DATEV setzt sich auch für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein, was oft noch allzu sehr als reines Frauenthema angesehen wird. Beispielsweise spielt hier die Kinder- und Ferienbetreuung eine wichtige Rolle, welche Müttern wie Vätern die Möglichkeit einräumt, Beruf und Familie zu vereinen. Was aber muss sich noch ändern, wollen wir echte Diversity in Unternehmen leben?

Ich hoffe, dass wir in 50 Jahren nicht mehr über das Geschlecht reden, wenn es um Karriere geht. Dazu gehört auch, dass wir in den Medien und generell in der Öffentlichkeit nicht mehr den Zusatz lesen: „Als Frau macht sie Karriere“. Dazu müssen wir heute auf jegliche Stereotype aufmerksam machen, die uns beim Thema Diversität begegnen. Zum Beispiel das ewige Stereotyp, dass das Familienthema ein Frauenthema sei. Die Frage nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf darf nicht nur Frauen, sondern muss auch Männern gestellt werden. Es muss selbstverständlich sein, dass Frauen in technische Berufe gehen und darf kein Novum mehr sein. Dazu brauchen wir Vorbilder, die selbstverständlich ihren Weg gehen und damit andere motivieren und inspirieren, es auch zu tun.

 

Durch das im letzten Jahr gegründete DATEV-Botschafter-Programm soll den Mitarbeitern*innen mehr Sicherheit für ihren Social Media Auftritt, aber auch für ihre Funktion als Sprachrohr nach außen für DATEV-Themen mitgegeben werden. Was kann hier ein Unternehmen mitgeben, dass diese Botschaftern*innen ihren Social Media Konsum nachhaltig angehen. Denn digitales Wissen und Social Media schläft ja bekanntlich nie.

Den Konsum digitalen Wissens kann jede*r für sich selbst bestimmen. Nur weil ich auf viel zugreifen kann, heißt es ja nicht, dass ich alles exzessiv nutzen muss. Ich finde es großartig, dass es ein vielfältiges Angebot gibt, auf das wir alle zugreifen können. Die sozialen Medien und das darüber verbreitete Angebot ermöglicht digitale Teilhabe. Und digitale Teilhabe ist das demokratischste Gut, was wir in diesen Zeiten haben. Wichtig finde ich, sich selbst bewusst darüber zu sein: Welche Informationen brauche ich für meinen Job, meine Weiterbildung und welche nutze ich in meiner Freizeit? Die Antwort auf diese Fragen entscheidet auch über meinen Konsum.

 

Im Rahmen des DATEV DigiCamps im letzten Jahr gab es unter anderem eine Session zum Thema „Agilität und Achtsamkeit“. Wie sieht Achtsamkeit für dich in der digitalen Welt und im Job aus?

Achtsamkeit ist erlernbar. Wichtig für einen selbst ist: Was brauche ich, um abschalten zu können und den Kopf frei zu bekommen. Ist es digital detox? Ist eine Serie? Ein Buch? Ein Film? Sport? Für jede*n von uns bedeutet Achtsamkeit etwas anderes. Für mich ist dabei entscheidend, dass ich das Digitale beispielsweise nicht verteufle, denn das Digitale hat mir beruflich und persönlich viel ermöglicht und ich lebe nach der Devise: Nutzen wo es geht und lassen, wenn es stört.

Danke, Tijen, für deine spannenden Antworten!

Photo by Aarón Blanco Tejedor on Unsplash

Über den Autor

Sinah Titzmann

ist 2019 als Social Media Managerin bei DATEV eingestiegen.